Zuversicht – vor Kurzem bin ich auf ein Zitat aufmerksam geworden, das mich seitdem beschäftigt und in dem für mich viel Wahrheit steckt:
„Man muss mit allem rechnen – auch mit dem Guten.“ Gabriel Barylli
Vielleicht ist er mir gerade deshalb aufgefallen, weil ich die andere Seite nur zu gut kenne.
Mit dem Schwierigen rechnen. Mögliche Probleme schon im Vorhinein durchdenken. Sich innerlich auf das vorbereiten, was schiefgehen könnte – vielleicht auch in der Hoffnung, dann nicht unvorbereitet getroffen zu werden.
Ich kenne dieses Denken von mir selbst aus der Vergangenheit. Und manchmal ertappe ich mich auch heute noch dabei. Gleichzeitig habe ich erfahren, wie anders es sich anfühlt, wenn ich nicht versuche, gedanklich jede mögliche Schwierigkeit vorwegzunehmen. Wenn neben dem, was passieren könnte, auch Platz für die Möglichkeit bleibt, dass etwas gelingt.
Für mich entsteht genau dort ein Gefühl von Freiheit. Von Vertrauen. Und auch von Glauben.
Nicht, weil ich weiß, was kommen wird.
Sondern weil ich es nicht wissen muss.
Wir können nicht bestimmen, was kommt.
Und vielleicht liegt genau darin eine der Herausforderungen im Umgang mit Ungewissheit: Die Zukunft ist offen. Sie lässt Raum für vieles: für Schwieriges, und eben auch für Gutes.
Unser Denken richtet sich dennoch häufig besonders auf mögliche Probleme und Gefahren. Das kann durchaus wichtige Funktionen haben: Risiken wahrzunehmen, Erfahrungen einzubeziehen und mögliche Konsequenzen abzuschätzen um dabei zu helfen, stimmige Entscheidungen zu treffen.
Schwierig kann es werden, wenn aus einem „Es könnte etwas schiefgehen“ innerlich ein „Es wird wahrscheinlich schiefgehen“ wird. Dann reagieren wir bereits auf etwas, das noch gar nicht eingetreten ist.
Zuversicht bedeutet nicht, alles schönzureden
Mit dem Guten zu rechnen heißt nicht, Schwierigkeiten auszublenden. Es bedeutet auch nicht, sich einzureden, dass schon alles gut gehen wird. Zuversicht lässt vielmehr mehrere Möglichkeiten zu:
Vielleicht wird etwas schwierig, oder kommt es anders als erhofft. Vielleicht müssen wir einen neuen Weg finden.
Aber vielleicht gelingt es auch.
Vielleicht können wir mit einer Herausforderung besser umgehen, als wir uns zugetraut hätten. Vielleicht öffnet sich eine Möglichkeit, die wir heute noch gar nicht sehen können.
Auch die Forschung zu Optimismus zeigt, dass positive Zukunftserwartungen mit einem aktiveren Umgang mit Belastungen zusammenhängen können. Entscheidend ist dabei nicht die Überzeugung, dass nichts Negatives passieren wird, sondern auch günstige Entwicklungen für möglich zu halten.
Vielleicht lohnt sich deshalb manchmal eine ganz einfache Frage:
„Und was, wenn es gut geht?“
Nicht, um uns etwas schönzureden, sondern um dem Guten genauso einen Platz in unserer Vorstellung von morgen zu geben.
Denn Zuversicht bedeutet nicht, zu wissen, dass alles gut wird. Sie lässt die Möglichkeit offen, dass es gut werden kann.
Und damit dürfen wir ruhig etwas öfter rechnen.
In diesem Sinne,
alles Liebe
Carina
Echt. Klar. Menschlich. Und mit Herz.




